Nachgedacht - September 2016

Ich bin daoch nicht irre

Mit diesem Satz endete ein Krimi, in dem ein geistig verwirrter, reicher Erbe in einer psychiatrischen Klinik erklärte, warum er sich nicht hatte dazu bringen lassen, vom Klinikdach zu springen und so dem Mörder das Erbe zu hinterlassen. – Nur eine Pointe in einem Film, könnte man meinen. – Er fiel mir wieder ein, als ich hörte, dass die Zahl der Frühverrentungen drastisch gestiegen ist und fast die Hälfte durch psychische Erkrankungen begründet ist.

Wer ist denn hier nun „irre“? Die Menschen, die dem wachsenden Arbeitspensum, dem „Allzeit-erreichbar“, dem Versuch Familie und Beruf irgendwie unter einen Hut zu bekommen, nicht mehr gewachsen sind? Oder die, die solche Bedingungen mit verantworten?

In den USA hat das Großunternehmen IBM vor einiger Zeit erkannt, dass das biblische Gebot der Ruhe am siebten Tag seinen Sinn hat. Nachdem sich einige Mitarbeiter nach 36-Stunden-Schichten oder mehrere Wochen ohne freien Tag umgebracht hatten, hat das Management eine neue Richtlinie erlassen, die feste freie Tage einführte und die maximale Arbeitszeit begrenzte.

„Ich bin doch nicht irre!“ heißt dann, dass ich das tue, was ich als Richtig erkannt habe: Ich gönne mir Zeiten der Ruhe, damit ich nicht „irre“ werde, damit ich nicht aus dem Blick verliere, was mein Leben lebenswert macht. Jesus sagt es klar und deutlich: Der Sabbat (also der Ruhetag) ist für den Menschen da! (Markusevangelium Kap.2, Vers 27).

Die Bibel kennt auch viele Geschichten von „Irren“-Leuten, die sich verirrt haben. Auf dem falschen Weg waren, und die die Richtung änderten. In der Bibel heißt es dann „er kehrte um“. Bei IBM in den USA hat es funktioniert – sie haben die Richtung geändert, sind aus dem Irrsinn herausgekommen, haben ihr Denken geändert.

„Ich bin doch nicht irre!“ ist also mehr als eine Pointe in einem Film. Es ist der entscheidende Punkt in meinem Leben, wenn ich „Irres“ erkenne und auf den richtigen Weg bringe - und wenn es sein muss, kehre ich dazu um!

Autor: Markus Reuter

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