Nachgedacht - November 2016

Miet-Ohren zum Zuhören?

Als ich letztens beim Autofahren das Radio einschaltete, hörte ich folgenden Impuls zum Tag:

„Manchmal braucht man dringend einen Menschen zum Reden. Manchmal ist aber gerade keiner da, mit dem man reden kann. Ist nicht nur bei uns so. Ist auch in Japan so. Deshalb hat Takanobu Nishimoto aus Tokio eine Idee. Er vermietet Zuhörer. Für umgerechnet neun Euro pro Stunde kann man einen so genannten „Ossan“ buchen, der sich alles anhört, was man auf dem Herzen hat: Liebeskummer, Probleme bei der Arbeit, allgemeine Sinnkrisen. Der Ossan hört zu, kommentiert, ist einfach da. (…) Mag sein, dass die Japaner in manchen Dingen weiter sind als wir. Was das Zuhören angeht, sicherlich nicht. Wer hierzulande Ohren braucht, kann jederzeit welche finden. Und noch dazu allesamt zum Nulltarif.“

Soweit die Kollegin Dorothee Wüst von der Evangelischen Kirche. Mich hat das nachdenklich gemacht, denn eigentlich haben wir als Kirchen ja ein solches Angebot. Und ich sehe es als  ureigensten Auftrag der Kirchen, für die da zu sein, die Hilfe brauchen. Auch wenn es ‚nur‘ ein offenes Ohr ist. Schließlich sagt uns Petrus: „Werft all eure Sorgen auf ihn, denn er sorgt für euch.“ (1 Petrus 5,7) und verweist damit auf Gott, dem ich all meine Sorgen anvertrauen kann. Aber wie mache ich das? Nun ja, entweder im Gebet oder eben indem ich z.B. bei einem Seelsorger ein offenes Ohr suche. Er ist dann das Ohr, mit dem Gott meine Sorgen hört und eine solche Stelle, wo man seine Sorgen abladen kann. Dort bekomme ich dann auch Hilfe und Rat, wenn ich dies möchte.

Auch Dorothee Wüst kommt zu diesem Ergebnis, sie sagt weiter: „Tja, eigentlich gibt es das bei uns schon längst. Immer wieder klingeln Menschen an den Türen von Pfarrhäusern, weil dort ein Ossan sitzt, der sich Pfarrer nennt. Der zuhört und wegen des Beichtgeheimnisses auch alles für sich behalten muss. Manche melden sich bei Beratungsstellen, weil dort jemand sitzt, der ihnen weiterhilft. Oder sie rufen bei der Telefonseelsorge an, weil dort Tag und Nacht jemand ein offenes Ohr für ihre Nöte und Sorgen hat.“

Wenn ich ein offenes Ohr suche, dann kann ich es auch finden: Auch wir von der Polizeiseelsorge bieten ein solches - sprechen Sie uns an, wir sind für Sie da!

Übrigens, wer den ganzen Text von Dorothee Wüst lesen möchte, finden ihn bei SWR3 unter folgendem Link: https://www.kirche-im-swr.de/?m=22922

Autor: Markus Reuter

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