Nachgedacht

Unter diesem Titel erscheint monatlich in einigen Hauszeitungen der Polizeidienststellen ein Text der Polizeiseelsorge, der zum Nachdenken und Besinnen anregen soll.

Hier finden Sie die aktuell veröffentlichten Texte zum nachlesen.
(Ältere Text über die Navigation am linken Rand)


 

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Wenn die Kirche ein Berghütte wäre...

Ich liebe die Berge. Jetzt in den Sommermonaten bin ich wieder in den Bergen unterwegs. Die Pandemielage lässt das zu und so eine Berghütte ist ein wunderbarer Ort. Sie ist das Ziel am Ende eines langen Marsches, sie ist der Zufluchtsort bei Sturm und Gewitter, und sie ist der Ausgangsort für inspirierende Gipfeltouren. Auch das Hüttenteam spielt eine wichtige Rolle, wenn ich mich auf einer Berghütte wohl fühlen will.  Das Team gibt Auskünfte zur aktuellen Wegbeschaffenheit und zum Bergwetter – und nicht zu vergessen: Es kocht wunderbar leckere Gerichte. Fast immer sind Hüttenwirte und ihr Team sehr hilfsbereit und stehen für die Bedürfnisse der Gäste zur Verfügung.

Wenn ich so darüber nachdenke, kommt das nah ran an meine Vorstellung von Kirche. So wünsche ich mir Kirche...

Die deutsche Sprache kennt kaum Worte für diese Zerstörung

Ausnahmsweise muss hier einmal ein Satz der Bundeskanzlerin zitiert werden. Denn alle Worte, die uns einfallen, erscheinen angesichts der Katastrophe in der Eifel schal und leer. Furchtbar, schrecklich, unerträglich - ist leicht gesagt. Und doch sind solche Worte nicht ansatzweise geeignet, Schrecken und Mitgefühl in Sprache zu fassen. Wir stellen uns voller Anteilnahme vor, wie bodenlos das Gefühl sein muss, wenn man ohnmächtig vor den Trümmern seiner Existenz steht. Dort wo lange Zeit man sicher und geborgen sich gefühlt hat, klafft nach dem Einbruch der Fluten ein Abgrund...

Vom Reisen und Lesen

Meine spannendsten Reisen fanden im letzten Jahr nicht per Flugzeug oder Auto statt, sondern mit einem Buch. Ich war sozusagen auf „Lesereise“. In Zeiten der Pandemie bleibt einem ja kaum etwas Anderes übrig, als auf den Flügeln der Fantasie an einen besseren Ort zu entfliehen.

Seit ich lesen kann, nutze ich diese Fluchtmöglichkeit regelmäßig und ausgiebig. Ich war schon auf vielen „Lesereisen“... 

 Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!

Klingt verdächtig nach Scharia! Gottesrecht bricht Menschenrecht. Nämlich Gott – nicht das Volk ist der Souverän. Gottes Gebote anstelle des positiven Rechts – da zieht der demokratisch legitimierte Gesetzgeber den Kürzeren. Denn hier sind nur solche Normen gültig, die nahtlos aus Koran und Sunna fließen. Schließlich fordert die Einsheit Gottes (tauhid) die Einsheit der Gläubigen, vor allem aber die Einsheit aller Normen des Lebens.

Doch nicht die Scharia, sondern die Bibel gebietet: „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5,29)...

Jammern und klagen

Es gibt Tage, an denen möchte ich mich einfach nur hinsetzen und bemitleidet werden. Das Schicksal ist ungerecht zu mir und nichts kann es besser machen. Im Moment gibt’s wirklich besonders viel Grund zum Jammern, finde ich: Die Corona-Regeln sind chaotisch, ein Impftermin für viel noch in weiter Ferne und ein Ende der Kontaktbeschränkungen nicht in Sicht. Schon morgens denk ich: Ich will nicht mehr! Das reicht jetzt!

Wie gut, wenn ich dann mal so richtig jammern kann...

 "April - April, der weiß nicht was er will"

So haben wir als Kinder gedichtet. Eben noch strahlend hell – plötzlich finstere Wolken: Das ist April! Eben gießt strömender Regen nieder – plötzlich bricht die Sonne durch: Regenbogen-Zeit. Ein Naturschauspiel – faszinierend zu allen Zeiten – auch wenn wir längst die physikalischen Ursachen durchschauen: Dramatischer Wechsel zwischen wildem Wolkengetose und sanft wärmendem Sonnenlicht.

Wie im richtigen Leben halt – wenn in Trauer der Trost einbricht, wenn Verzweiflung von Hoffnung erleuchtet, Angst von Zuversicht durchstrahlt wird...


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Foto: Markus Reuter

Bild: Markus Reuter