Nachgedacht

Unter diesem Titel erscheint monatlich in einigen Hauszeitungen der Polizeidienststellen ein Text der Polizeiseelsorge, der zum Nachdenken und Besinnen anregen soll.

Hier finden Sie die aktuell veröffentlichten Texte zum nachlesen.
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 Die Kunst, einen Kaktus zu umarmen

Am Kühlschrank einer Freundin hängt eine Postkarte. Darauf steht „Einen Pubertierenden zu erziehen, ist wie einen Pudding an die Wand zu nageln.“ – Ich finde die Postkarte lustig, weil sie so absurd ist. Wer will schon einen Pudding an die Wand nageln?

Ich empfinde die Situationen im Zusammenleben mit einer pubertierenden Tochter – und wir leben seit Wochen mehr zusammen als sonst – zum Teil als ziemlich absurd. Da sind Anfälle von Pubertätsdemenz (die gibt’s wirklich), die sich darin äußern, dass in der Küche ein halbfertiges Müsli vergessen wurde oder Schranktüren grundsätzlich offenstehen. Da gibt es aber auch lautstark vorgetragene Plädoyers über die Ungerechtigkeit des Lebens im Allgemeinen oder der Unfähigkeit von (Lehr-) Personen im Besonderen. Und wehe, ich habe meinen bescheidenen Wortbeitrag zu irgendeinem Thema – egal von welcher Relevanz – nicht hundertprozentig korrekt formuliert Wird sofort korrigiert!

Kennen Sie diese Namen?

Mike Brown, Trayvon Martin, Sandra Bland, Philando Castile, Tamir Rice, Jordan Davis, Atatiana Jefferson, The Charleston Nine, Breonna Taylor, Ahmand Arbery.

Nicht? Wenn ich nun noch einen ergänze, erkennen Sie vermutlich den Zusammenhang...

Immer im Dienst!

Bekanntlich arbeiten Beamte ja nicht. Nein, sie dienen! Und das ist deutlich kostbarer als jedes Arbeiten. Denn wer dient, versieht seinen Dienst nicht im eigenen Interesse, sondern sorgt für andere und ihr Wohlergehen.

Gerade Polizisten im Einzeldienst, die Gefahren abwehren und Sicherheit gewährleisten sollen und dabei manchmal sehr nah an Menschen herankommen müssen, von denen sie nicht wissen, ob sie erkrankt sind...

Nachgedacht im Mai (01.05.2020)

„Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist …“

 Als ich diesem Satz kurz vor Oster in einem „Zuspruch“ im Radio hörte, musste ich sofort daran denken, dass das Spiel auch in meiner Familie ein beliebter Zeitvertreib war. Auch bei den weiteren Worten der Autorin fand ich mich wieder: 

Wir spielen es überall: im Stau, im Wartezimmer, am Bahnsteig. Das gefällt mir. Außerdem finde ich schön, dass bei diesem Spiel die Aufmerksamkeit geschärft wird. Ich muss darauf achten, was in meiner Umgebung zum Beispiel eine bestimmte Farbe hat. Denn die Spielregel lautet: Derjenige hat gewonnen, der zuerst den Gegenstand errät, den der erste Mitspieler im Blick hatte...

Eine Katastrophe ...

seit dem zweiten Weltkrieges nie wieder erlebt! Einschnitte gab es immer wieder aufgrund von Dürre- oder Hochwasser-Katastrophen. Ängste vor erwartbaren Klimakatastrophen haben unser Land stark verändert. Doch jetzt: Ohnmächtig zuschauen zu müssen, wie das öffentliche Leben lahmgelegt, gesunde Betriebe ruiniert, eine Rezession ungekannten Ausmaßes losgetreten wird – ohnmächtig zuschauen zu müssen, wie Ärzte, Pfleger und Krankenhäuser den Mangel verwalten müssen ­- ohnmächtig zuschauen zu müssen,  wie Menschen zu Tausenden in unserem Lieblingsland Italien, aber auch bei uns sterben, wie unsere alten und kranken Mitbürger in Angst leben, aber von ihren Liebsten nicht mehr besucht und getröstet werden können.  Nichts ist mehr wie gewohnt einfach machbar...

Guter Rat ist teuer

Kürzlich war ich in einer Buchhandlung und habe vor einer ganzen Regalwand nur für Ratgeber gestanden und gestaunt, was es da so alles gibt. Die optimalen Diäten, Geldanlagen, Reiseführer, gesunde Küche, Resilienz, Ratgeber für die Schönheit, fürs Auto, Haus, Garten, Kindererziehung… Die Auswahl ist groß und wird immer größer – und günstig sind sie auch nicht gerade.

Warum brauchen wir all diese Bücher? Was suchen wir wirklich?
“Hätten Sie mal einen Rat für mich?“, so beginnen viele meiner Gespräche als Polizeiseelsorger...


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Foto: Markus Reuter

Bild: Markus Reuter