Nachgedacht im Juli / August 2020

Kennen Sie diese Namen?

Mike Brown, Trayvon Martin, Sandra Bland, Philando Castile, Tamir Rice, Jordan Davis, Atatiana Jefferson, The Charleston Nine, Breonna Taylor, Ahmand Arbery.

Nicht? Wenn ich nun noch einen ergänze, erkennen Sie vermutlich den Zusammenhang: George Floyd. Er, die anderen und noch weitere kamen seit 2014 in den USA bei Polizeieinsätzen ums Leben. Seit dem 27. Mai, dem Tag an dem George Floyd starb, finden in den USA und weltweit zurecht immer wieder Demonstrationen gegen Rassismus statt.

Und hier in Deutschland? „Bei uns gibt es das ja so – zum Glück – nicht!“, das war auch mein erster Gedanke. Aber es lohnt sich, einen genaueren Blick auf die Hintergründe und Ursachen zu werfen, die hinter den ‚Namen‘ stehen. Von der Initiative Black Lives Matter wird dafür Rassismus angeführt. Von diesem Vorwurf kann sich die Polizei in den USA sicherlich nicht freisprechen.    
Und bei uns? Sicherlich sind die Dimensionen und Auswirkungen hier nicht so gravierend. Aber auch wir in Deutschland haben ein Problem, was Rassismus und vielleicht mehr noch Rechtsextremismus angeht. Nicht nur die Fälle in Hessen und jüngst beim KSK der Bundeswehr zeigen dies. So können wir uns auch nicht von einem, zumindest unterschwelligen, Rassismus freisprechen. Dass dabei das Ausmaß und die Ausprägung anders sind, ist da nur ein schwacher Trost. Und es wäre falsch, nun zu meinen, dass man hier nichts tun müsste!

Die nun begonnene Debatte um das Wort „Rasse“ im Grundgesetzartikel 3 zeigt deutlich, dass auch wir uns in Deutschland immer wieder dem Thema stellen müssen. Ob man nun das Grundgesetzt deswegen ändern muss, sei mal dahingestellt. Aber, dass eine Debatte darüber beginnt, finde ich richtig und wichtig! Denn sie macht deutlich, dass wir das, was ist, nicht als selbstverständlich hinnehmen dürfen – weder im Guten noch im Schlechten! Nur wenn wir uns das immer wieder vor Augen führen, können wir unsere Werteordnung bewahren. Dies beinhaltete auch den „Streit“ darüber, wie nun bei Art. 3 GG zu verfahren ist. Denn gerade hier gilt die Aussage unseres ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt: „Eine Demokratie, in der nicht gestritten wird, ist kein.“           

Das gilt auch für unseren Alltag, in unserem „ganz normalen Leben“, wenn wir unterschwelligen oder offenen Rassismus erleben. Dem entgegenzutreten braucht es Mut. Mut die Augen und die Ohren offen zu halten, um wahrzunehmen, wann und wo auch immer er mir begegnet. Und dann gilt es Mut zu haben und dagegen zu halten. Gerade für Polizistinnen und für Polizisten halte ich das für besonders wichtig! Sie sind nicht nur dafür da, wenn es darum geht, die Grundrechte anderer – z.B. im Rahmen von Demonstrationen – zu sichern. Sondern sie müssen auch da, wo einem eine unbedachte Äußerung eines Kollegen oder einer Kollegin auffällt, aktiv werden. Hier ist Mut gefordert, einzuschreiten und zu widersprechen – gerade innerhalb der Polizei!

Denn es ist nach meiner Überzeugung von großer Bedeutung, über unsere (Grund-)Werte im Gespräch zu bleiben. Also reden und streiten wir drüber, mit Kolleg*innen, mit Bekannten, gern auch mit mir und meinen Kolleg*innen! So möchte ich, in diesem Sinne, mit einem Zitat enden: „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, viele kleine Schritte tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.“

Autor: Markus Reuter

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